Wie Trauma und Bindungen miteinander verbunden sind
Wenn Menschen zu mir in die Traumatherapie kommen, sprechen sie selten zuerst über Bindungsmuster. Die meisten sind sich deren Bindungsmuster nicht einmal bewusst.
Vielmehr höre ich von Ängsten, Überforderung, Erschöpfung, Beziehungsproblemen, wiederkehrenden Konflikten oder dem Gefühl, sich selbst verloren zu haben.
Schauen wir dann etwas genauer hin, wird deutlich:
Hinter vielen diesen Symptomen stehen nicht nur belastende Ereignisse, sondern auch die Erfahrungen, die sie in ihren wichtigsten Beziehungen gemacht haben.
Entscheidend ist auch, ob wir in Momenten von Stress, Schmerz oder Überforderung Unterstützung, Sicherheit und Co-Regulation erfahren haben. Unser Nervensystem entwickelt sich nicht isoliert, sondern in Beziehung zu anderen Menschen.
Das ist der Grund, wieso Trauma und Bindungen quasi untrennbar voneinander sind.
Die ersten Beziehungen unseres Lebens prägen die Frage, die unser Nervensystem auch als Erwachsene immer wieder stellt:
Kann ich mich auf andere verlassen?
Darf ich meine Bedürfnisse zeigen?
Was erlebe ich, wenn ich Angst habe, traurig bin oder Unterstützung brauche?
Aus diesen frühen Erfahrungen entstehen Bindungsmuster. Versteh sie als Anpassungen unseres Nervensystems an die Umstände, in denen wir aufgewachsen sind.
Unter Stress werden diese Muster besonders sichtbar. Unter Stress sind wir nicht mehr aufmerksam, nicht bewusst im Umgang mit uns und anderen.
Es gibt Menschen, die sich zurück ziehen und alles allein bewältigen wollen. Andere suchen nach Nähe und Bestätigung. Wieder andere schwanken zwischen beiden Polen oder fühlen sich gleichzeitig von Nähe angezogen und bedroht.
Das sind keine Schwächen, sondern Überlebensstrategien.
Strategien, die einst sinnvoll waren und unserem Nervensystem geholfen haben, mit Unsicherheit, emotionaler Vernachlässigung, inkonsistenter Fürsorge oder überwältigenden Erfahrungen umzugehen.
Ich kann mit meinen Klient*Innen also nicht nur mit den Symptomen oder einzelnen Ereignissen arbeiten. Ich arbeite häufig auch mit Beziehungsmustern, die sich daraus entwickelt haben.
Es reicht nicht, nur die Vergangenheit „zu verstehen“, sondern auch neue Erfahrungen von Sicherheit, Verbindung und Selbstkontakt im Hier und Jetzt zu machen.
Um zu verstehen, warum wir unter Stress so unterschiedlich reagieren, lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Bindungsmuster und darauf, wie sie unser Nervensystem beeinflussen.
Mehr dazu in Kürze…