Warum ein somatischer Ansatz bei Bindungstrauma so wertvoll ist
Bindungsmuster entstehen nicht nur durch das, was wir über Beziehungen denken.
Sie entstehen durch wiederholte Erfahrungen, was in Beziehungen sicher oder gefährlich ist. Kinder lernen z.B. nicht durch Erklärungen, ob Nähe sicher ist, sondernd durch Erfahrungen.
Wird auf meine Bedürfnisse reagiert?
Ist da Blickkontakt, Berührung, Präsenz, Trost oder fehlt all das?
Diese Erfahrungen werden nicht nur als Erinnerungen gespeichert, sondern als körperliche Erwartungen. Unser Nervensystem entwickelt innere Landkarten darüber, was in Beziehungen wahrscheinlich passieren wird.
Deshalb reicht es oft nicht aus, Bindungsmuster „nur“ zu verstehen oder darüber zu sprechen.
Wie oft höre ich den Satz „ich weiß das alles schon, aber kann es nicht ändern“ oder wie oft habe ich ihn selbst schon ausgesprochen?
Jemand mit einer vermeidenden Bindungsstategie weiß, dass Unterstützung da wäre, geht aber trotzdem automatisch in Rückzug.
Jemand mit einer ängstlichen Bindungsstrategie kann wissen, dass die Beziehung stabil ist und trotzdem intensive Verlustängste erleben.
Jemand mit einer desorganisierten Bindung kann sich gleichzeitig nach Nähe sehnen und sich vor ihr fürchten.
Das ist keine mangelnde Einsicht, sondern ein tief verankertes Muster des Nervensystems.
Deshalb ist die somatische Arbeit so wertvoll und setzt genau dort an.
Anstatt nur über Beziehungserfahrungen zu sprechen, erforschen wir, wie sie sich im Körper zeigen.
Wir lernen, die Signale des Nervensystems wahrzunehmen, Aktivierung zu regulieren und neue Erfahrungen von Sicherheit zu ermöglichen.
Durch Co-Regulation, achtsame Körperwahrnehmung, Ressourcenarbeit und das schrittweise Erweitern des Toleranzfensters entsteht etwas, das viele Menschen in ihrer Entwicklung nicht erlebt haben, bzw. nicht ausreichend:
Die Erfahrung, gleichzeitig verbunden und sicher zu sein.
Das geht nur, wenn wir neue Erfahrungen machen. Und mit wir meine ich auch das Nervensystem.
Wir können lernen, dass Nähe nicht automatisch Vereinnahmung bedeutet.
Dass Distanz nicht automatisch Verlassen werden bedeutet.
Dass Bedürfnisse geäußert werden dürfen.
Dass Gefühle nicht zu viel sind.
Und dass Verbindung möglich ist, ohne sich selbst dabei zu verlieren.
Genau deshalb ist die Arbeit mit dem Körper und dem Nervensystem ein so wesentlicher Bestandteil der Heilung von Bindungsverletzungen und Entwicklungstrauma.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst und spürst, dass alte Bindungsmuster, Beziehungsthemen oder die Folgen von Entwicklungstrauma dein Leben noch heute beeinflussen, begleite ich dich gerne ein Stück auf diesem Weg.
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